Weihnachtswunschtipps 2016

In vier Wochen ist schon Weihnachten! Für alle, die gerne Bücher verschenken oder Bücher bekommen, folgen hier meine Geschenktipps aus verschiedenen Genres.

  1. Ein Familienroman: „Der leuchtend blaue Faden“ (Orig.: A spool of blue threads) von Anne Tyler

Abby und Red werden immer älter, und langsam wird ihr Haus zu groß für sie. Ihre vier Kinder, die alle längst eigene Leben führen, werden mit der Frage konfrontiert, wer für die Eltern sorgen soll, wenn sie einmal nicht mehr selbstständig sind. Anne Tyler erzählt in ihrer gewohnt ruhigen und genauen Beobachtungsweise von der Dynamik zwischen den sehr unterschiedlichen Geschwistern. Dazwischen fügt sie in Rückblenden die Lebensgeschichten von Abby und Red ein.
Ein tragikomisches und letztlich versöhnliches Buch über das Altern und die komplizierten Beziehungen zwischen Eltern und Kindern.

  1. Ein Roman über die Swinging Sixties: „Miss Blackpool“ (Orig.: Funny Girl) von Nick Hornby

Anfang der 60er: Barbara zieht aus der Provinz nach London, um Komikerin zu werden. Zuerst scheint ihr Plan aussichtslos – hübsche Mädchen werden höchstens Schönheitskönigin, aber niemand traut ihnen komisches Talent zu. Aber dann erkennen zwei junge Drehbuchschreiber, Tony und Bill, und ein Produzent ihre Begabung. Barbara wird Hauptdarstellerin einer Sitcom, die jung und subversiv ist und zum Überraschungshit wird. Aber wird der Erfolg anhalten und wie verändert er Barbara und ihre Kollegen?
Wie alle Bücher von Nick Hornby befasst sich auch „Miss Blackpool“ mit der Frage, welche Kompromisse man im Leben eingehen muss. Aber es ist versöhnlicher als seine Vorgänger und erlaubt seinen Figuren mehr Glück inmitten der Kompromisse. Fans von „High Fidelity“ sind vielleicht vom veränderten Tonfall enttäuscht, aber für mich ist es Hornbys bisher bestes Buch.

  1. Ein Thriller: Aurora (Originaltitel: Archangel) von Robert Harris

Moskau, Ende der Jelzin-Jahre: Am Rande einer internationalen Konferenz des russischen Staatsarchivs lernt der britische Historiker Fluke Kelso einen betrunkenen alten Mann kennen, der ihm eine unglaubliche Geschichte erzählt: Er will als junger Soldat die letzten Lebenstage Stalins aus nächster Nähe miterlebt haben und bietet Kelso ein verschollenes Tagebuch des Diktators an. Während Kelso noch zögert, ob er die Geschichte glauben soll, wird der alte Mann brutal ermordet. Kelso findet sich, verfolgt von alten und neuen Geheimdienstseilschaften, auf einer Spurensuche in den hohen Norden und in die sowjetische Vergangenheit wieder.
Ausgehend von der in Russland immer noch weit verbreiteten Begeisterung für Stalin zeichnet Robert Harris in diesem Krimi ein bedrückendes Bild davon, wie die Geister einer nicht aufgearbeiteten Vergangenheit wiederkehren. Wem der Plot bekannt vorkommt: Der Roman wurde vor einigen Jahren mit Daniel Craig in der Hauptrolle verfilmt.

 

  1. Ein Zeitreisen-Roman: „Verbunden“ (Orig.: Kindred) von Octavia E. Butler

Die junge Afroamerikanerin Dana wird plötzlich aus dem Kalifornien der 1970er Jahre in die Südstaaten des frühen 19. Jahrhunderts transportiert, gerade rechtzeitig, um einen kleinen Jungen vor dem Ertrinken zu retten. Dieser Junge, so wird Dana nach mehreren Zeitreisen klar, ist ihr Ur-Urgroßvater, aber er ist auch ein Sklavenhalter. Wird es ihr gelingen, den Jungen lange genug zu schützen, dass er ihr Stammvater werden kann? Und kann es jemals legitim sein, einem Sklavenhalter zu helfen, wenn auch nur um des eigenen Überlebens willen?
Dieser Roman enthält viele typische Bestandteile anderer Zeitreisen-Geschichten, wie z.B. eine Liebesgeschichte und die Frage, ob der Zeitreisende die Vergangenheit verändern kann und soll. Aber im Gegensatz zu den populären Zeitreisenden-Romanen von Niffenegger oder Sparks geht es Octavia Butler in ihrem Buch nicht um Romantik, und die Konsequenzen der Zeitreisen sind dramatischer als in vergleichbaren Romanen. Denn bei jeder Zeitreise ins Antebellum ist Dana als Schwarze mit dem Tod bedroht. Eine mitreißende Fantasy-Geschichte, die die Frage erforscht, wie ein menschenverachtendes System für die Menschen in ihm zur Normalität werden kann – selbst für die Opfer.

  1. Ein Sachbuch: “SPQR. Die tausendjährige Geschichte Roms“ von Mary Beard

„SPQR“ bietet einen packend geschriebenen Überblick über die römische Geschichte, der sowohl Leser anspricht, die nur wenig über das antike Rom wissen, als auch solche, die ihr Wissen aus dem Lateinunterricht auffrischen wollen. Jede Generation betrachtet die Römer vor dem Hintergrund ihrer eigenen Lebensrealität aus einer anderen Perspektive, so Mary Beard in ihrem Vorwort.  Ihre Leitfrage, unter die sie ihre Ausführungen ordnet, lautet: Wer ist ein Bürger Roms? Das Ringen um diese Frage begleitet den Aufstieg wie auch den Fall Roms und straft jeden Lügen, der Migration und Debatten um Zugehörigkeit und Fremdheit für spezifisch modern hält.

  1. Ein Buch für Eltern und Feminist*innen: „Girls & Sex – Navigating the Complicated New Landscape” von Peggy Orenstein

(auf Deutsch noch nicht erschienen)

Für dieses Buch interviewte Peggy Orenstein zahlreiche amerikanische Oberstufenschülerinnen und Studentinnen zu den Themen Sexualität und Beziehungen. Im Gegensatz zu den üblichen skandalhungrigen Artikeln über die Generation Porno neigt Orenstein nicht zu Hysterie und blickt nicht auf die Jugendlichen herab. Aber ihre Funde zeigen, dass für viele Mädchen und junge Frauen Sexualität mehr mit Performance und Zwang zu tun hat als mit Selbstbestimmung und eigenem Lustempfinden. Dieses Buch erklärt, warum wir in Deutschland noch immer #aufschrei-Debatten führen und in den USA ein Grabscher Präsident werden kann. Orenstein macht außerdem Vorschläge, wie Mädchen und Jungen besser vermittelt werden kann, was Konsens in sexuellen Beziehungen bedeutet und warum er wichtig ist.

  1. Ein Buch zum Lachen: „Mission London“ von Alek Popov

London, Ende der 90er Jahre: Als neuer bulgarischer Botschafter hat Varadin Dimitrov nur ein Ziel: Niemandem negativ auffallen, um so lange wie möglich den Posten in Großbritannien zu behalten. Als die verwöhnte Ehefrau eines bulgarischen Ministers sich in den Kopf setzt, dass zu ihrer Charity-Veranstaltung in der Botschaft die Queen kommen soll, heuert er deshalb eine zwielichtige PR-Firma mit Kontakten zu den Royals an – aber Varadin hat ein wichtiges Detail übersehen… Auch für den Botschaftskoch läuft einiges schief, als er in den Raub mehrerer Gänse aus einem Londoner Park verwickelt wird. Und Putzfrau Katya ergattert einen Wochenendjob, der ihr Leben für immer verändern wird.
Alek Popovs Debutroman von 2010 karikiert die bulgarische Diplomatencommunity am Vorabend des EU-Beitritts. Aber auch der Westen bekommt sein Fett weg, etwa in Gestalt eines ehemaligen Generals, der es sich in den Kopf gesetzt hat, Entwicklungshilfe für Bulgarien zu organisieren. Die mildtätige Gabe, die er dem Botschafter aufdrängen will: 10.000 ausrangierte Bettpfannen aus dem 2.Weltkrieg…

 

  1. Ein Jugendbuch, auch für Erwachsene: „ Listen, Slowly“ von Thanhha Lai

(auf Deutsch noch nicht erschienen)

Ich-Erzählerin Mia ist die 13jährige Tochter vietnamesischer Einwanderer in Kalifornien, aber sie sieht sich als rein kalifornischen Teenager und interessiert sich nicht für Vietnam. Umso größer ist ihre Empörung, als die Eltern ihr eröffnen, dass sie die gesamten Sommerferien im Heimatdorf ihrer Familie verbringen soll. Ihre Oma will nach all den Jahren nach dem Verbleib ihres im Vietnamkriegs verschollenen Mannes forschen und niemand sonst hat Zeit, sie zu begleiten. Anfangs widerwillig, aber zunehmend fasziniert taucht Mia in den Alltag des vietnamesischen Dorfes ein.
Eine detailgenaue Schilderung des Lebens in Vietnam jenseits der großen Städte und des Aufwachsens mit zwei Kulturen mit einer sympathischen, wenn auch etwas sehr altklugen jungen Heldin.

  1. Ein Buch über Bücher:Weird Things Customers Say in Bookshops” von Jen Campbell

(auf Deutsch noch nicht erschienen)

Jen Campbell ist Buchhändlerin und Youtube-Buch-Vloggerin. „Weird Things Customers say in Bookshops“ entstand aus einem Blog, auf dem sie ihre lustigen und haarsträubenden Erfahrungen mit Kunden sammelte. Ob ein Kunde den Agatha Christie Roman „Death in Denial“ sucht oder eine Dame fragt, „ I read a book in the sixties. I don‘t remember the author or title, but it was green and made me laugh. Do you know which one I mean?” – dieses Büchlein ist ein ideales Geschenk für Buchhändler, Bibliothekarinnen und jeden Bücherwurm, der gerne lacht.

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