Krimi-Mix 1

Im Krimi-Mix stelle ich jeweils drei spannende Krimis / Thriller aus aller Welt mit Kurzempfehlungen vor – diesmal aus Großbritannien, Kanada und Schweden.

William Boyd: Restless  (Dt. Titel: Ruhelos)

Erscheinungsjahr: 2006
Land: Großbritannien

Oxford im Sommer 1976: Ruth Gilmartin denkt, ihr einziges Problem sei, dass sie mit ihrer Dissertation nicht vorankommt. Da verrät ihre verwitwete Mutter Sally  ihr ein Geheimnis: Sally war im 2. Weltkrieg eine wichtige Agentin des britischen Geheimdienstes, bis sie untertauchte.  Nun ist sie überzeugt, dass jemand aus ihrer Vergangenheit sie gefunden hat und nun bedroht. Während Ruth Stück für Stück erfährt, wie Sally zur Spionin wurde, taucht vor ihrer Haustür plötzlich ein alter Bekannter aus der Hamburger linken Szene auf. Ruth muss herausfinden, ob ihre Mutter tatsächlich verfolgt wird oder nur verrückt geworden ist. Und sie fragt sich zunehmend, ob das Motto ihrer Mutter „Traue niemandem!“ auch für ihr eigenes Leben gilt…

William Boyds „Restless“ trifft genau die Mitte zwischen den präzise beobachteten, deprimierenden Romanen John Le Carrés und dem durchschnittlichen oberflächlich- unterhaltsamen Spionageroman von der Spiegel-Bestsellerliste. Die Geschichte ist nicht nur humor- und schwungvoll erzählt, sondern auch gut recherchiert und plausibel. Dass Sallys Einheit, die „British Security Co-ordination“, damit beschäftigt ist, Fehlinformationen in Zeitungen weltweit zu lancieren, um so den amerikanischen Kongress zum Kriegseintritt zu bewegen, macht den Thriller in Zeiten, in denen hybride Kriegsführung zum Schlagwort wird, überraschend aktuell.

Ausma Zehanat Khan: The Unquiet Dead (auf Deutsch noch nicht erschienen)

Erscheinungsjahr: 2015
Land: Kanada, Bosnien

Esa Khattak und Rachel Getty sind Sonderermittler einer kanadischen Polizeieinheit, die auf Mordfälle innerhalb von Minderheitengemeinden spezialisiert ist. Der tödliche Klippensturz eines erfolgreichen Geschäftsmannes und Mäzens scheint zunächst nicht in ihr Aufgabengebiet zu fallen. Doch dann tauchen Hinweise auf, dass der Tote ein untergetauchter Kriegsverbrecher aus dem Jugoslawienkrieg war. Hat eines seiner Opfer späte Rache genommen?

Mordfälle vor dem Hintergrund des Jugoslawienkrieges sind auch bei deutschen Krimiautoren wie Ulrich Ritzel und Oliver Bottini gerade in Mode. Was „The Unquiet Dead“ besonders macht, ist der Fokus auf bosnische Zivilisten. Ausma Zehanat Khan lässt sich ganz auf die Perspektive der Opfer ein und schafft Figuren mit weitaus mehr Persönlichkeit und Hintergrund, als für ihren Kriminalfall nötig wäre. Damit ist ihr Buch nicht nur ein spannender Krimi, sondern auch ein guter Einstieg in die Thematik des Jugoslawienkriegs.

Esa Khattak und Rachel Getty entsprechen als Ermittlerteam auf den ersten Blick dem Krimiklischee vom attraktiven, verschlossenen Kommissar mit der geheimnisumwölkten Vergangenheit und seiner klugen, aber hässlichen Mitarbeiterin aus einfachen Verhältnissen, das ich persönlich etwa bei Inspektor Lynley sehr ermüdend finde. Aber dank ein paar Abweichungen von der Standardformel (Rachel ist nicht hübsch, aber trotzdem zufrieden mit sich und  – Schock! – sie hat sogar ein Liebesleben…) wirken diese typischen Krimifiguren hier frisch und originell.

Bo Balderson: Der Mord in Harpsund (Originaltitel: „Harpsundsmordet“)

Erscheinungsjahr:  1969
Land: Schweden

Wem das alles bisher zu dramatisch war, der ist beim „Mord in Harpsund“ richtig. Der Krimi ist Band 2 einer Reihe um einen schwedischen Staatsminister, der mit seinem Schwager, einem pensionierten Lehrer, Verbrechen aufklärt. Der Staatsminister ist ein reicher Erbe mit 11 lärmenden Kindern, der von Politik keine Ahnung hat. Niemand unter seinen Kollegen in der Regierung kann sich erklären, warum er im Amt ist, und niemand ist sich sicher, welcher Partei der Staatsminister eigentlich nahesteht. Aber da er im Volk beliebt ist und keine politischen Feinde hat, bleibt er auf seinem Posten und die anderen Minister versuchen einfach, ihn vom Tagesgeschäft fern zu halten – so hat er Zeit, um Kriminalfälle aufzuklären.

Im vorliegenden Fall besucht der Staatsminister seine alte Kinderfrau, just als deren unsympathischer Bruder am Vorabend seines Geburtstags vergiftet wird. Das Haus ist bereits voller Besucher, die natürlich alle ein Motiv haben. So beschließt der Staatsminister mit der widerwilligen Unterstützung seines Schwagers, den Mord aufzuklären und nebenbei einen außenpolitischen Skandal zu verhindern.

Im Gegensatz zu den heutigen Schwedenkrimis bekommt von Bo Baldersons Büchern sicher niemand Angst im Dunkeln. Im Zentrum steht hier weniger der Kriminalfall als die Vielzahl skurriler Gestalten. Für Fans von Inspektor Barnaby sind die Mordfälle des Staatsministers eine gute Wahl.

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