Kevin Kwan: Crazy Rich Asians

(noch nicht auf Deutsch erschienen)
Erscheinungsjahr: 2013
Land: Singapur

Kevin Kwans „Crazy Rich Asians“ ist eine Mischung aus „Aschenputtel“ und „Mean Girls“  vor der Kulisse Singapurs – nicht besonders tiefschürfend, aber unterhaltsam.

Die chinesisch-stämmige Amerikanerin Rachel Chu wird von ihrem Freund Nicolas Young eingeladen, eine Reise nach Singapur zu machen, um seine Familie kennenzulernen. Rachel und Nick sind beide Junior-Professoren an derselben Uni und vermeintlich beide aus der Mittelschicht. Deshalb erlebt Rachel einen Schock, als sie bei der Ankunft in Singapur entdeckt, dass Nick aus einer der einflussreichsten und reichsten Familien Asiens stammt. Hinzu kommt, dass weder Nicks Mutter noch die High Society Singapurs damit einverstanden sind, dass sich eine dahergelaufene amerikanisierte Festlandchinesin Singapurs attraktivsten Junggesellen schnappt. Es folgen jede Menge Drama, Intrigen und eine düstere Enthüllung über Rachels eigene Familiengeschichte. Wird Rachels und Nicks Liebe alle Anfeindungen überstehen? (Klar wird sie – das hier ist schließlich Chick Lit…)

„Crazy Rich Asians“ verrät recht wenig über den Alltag in Singapur, abgesehen von zahlreichen, appetitanregenden Beschreibungen der lokalen Küche. Trotzdem verleiht die Kulisse Singapurs der ziemlich konventionellen Geschichte ein paar ungewöhnliche Facetten. Ein interessanter Aspekt ist, dass sich die Figuren durch wilden Konsumismus und Markenfixiertheit letztlich Respekt verschaffen wollen in einer rassistischen Welt – mehrere Rückblenden beschreiben Jugenderlebnisse von Nick und seiner Cousine Astrid in Europa, bei denen sie in Geschäften abfällig behandelt wurden, weil die Verkäufer sich nicht vorstellen konnten, dass es reiche Asiaten gibt.

Eine Schwäche des Romans ist, dass sich Kevin Kwan nicht entscheiden kann, ob er die Welt seiner Helden bewundert oder ablehnt. So bewertet er identisches Verhalten bei unterschiedlichen Romanfiguren sehr unterschiedlich. Die heiratswütigen singapurischen Mitzwanzigerinnen, die Rachel das Leben schwer machen, sollen wir wegen ihrer Shoppingsucht als oberflächlich und lächerlich wahrnehmen. Bei Nicks Cousine Astrid, die das Liebespaar unterstützt, ist es hingegen bewundernswert, dass sie bedenkenlos zehntausende Dollar in Mode investiert, weil sie schließlich so einen guten Geschmack hat. Die Vorurteile der Singapurer gegenüber allen Festlandchinesen werden kritisiert, insofern sie Rachel treffen. Aber die einzige andere Festlandchinesin im Buch ist dann tatsächlich eine ordinäre und dumme Karikatur einer „Goldgräberin“, die sich wahllos reichen Singapurern an den Hals wirft.

Diese Unschlüssigkeit bei der Bewertung betrifft sogar die Kernaussage des Romans. Denn natürlich ist die Moral der Geschichte, dass wahre Liebe nicht materialistisch ist und Nicks Familie falsch liegt, wenn sie Wohlstand höher wertet als Seelenverwandtschaft.  Aber gleichzeitig sind alle großen „romantischen“ Gesten der positiven Figuren, die uns als Symbol wahrer Liebe präsentiert werden, immer vor allem eines: sehr teuer. (Diese Vorstellung, dass Reisen im Privatflugzeug und ähnliches gute Liebesbeweise sind, ist allerdings nicht spezifisch für Singapur. Die berüchtigte amerikanische Romantrilogie über Cinderella in Handschellen baut ja auf den genau gleichen Klischees auf.)

Meine bisherige Kritik ist vielleicht übertrieben streng, schließlich soll diese Art Roman ja vor allem unterhalten, und das gelingt ihm. Einen letzten Kritikpunkt gibt es jedoch, der für eine Aschenputtel-Geschichte ein echtes Manko ist: Der Traumprinz ist bei genauerem Hinsehen nicht besonders  attraktiv. Zwar ist er schön und reich. Aber er lässt seine Freundin trotz wiederholter Warnungen seiner Cousine und seines besten Freundes ins offene Messer laufen, weil er als einziger Mensch in ganz Singapur nicht weiß, dass die Oberschicht inklusive seiner engsten Familienmitglieder alle Normalsterblichen ablehnt. Über lange Strecken des Buches bemerkt er dann noch nicht einmal, dass seine Freundin unglücklich ist, weil sie gemobbt wird. Das lässt daran zweifeln, ob er wirklich so schlau und empathisch ist, wie das Buch behauptet.

Fazit: Wer gerne leichte Liebesromane liest oder Cinderella-Geschichten aus aller Welt sammelt, kann mit „Crazy Rich Asians“ nichts falschmachen. Ich habe mich besser amüsiert, als es hier den Anschein hat, und letztlich war ich für das Buch einfach nicht die richtige Zielgruppe. Wer aber hauptsächlich gerne einmal ein Buch von einem Singapurer Autor lesen möchte, der findet bestimmt noch eine bessere Option.

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