Oliver Bottini: Ein paar Tage Licht

Erscheinungsjahr: 2015
Land: Algerien, Deutschland

Algerien 2012: Der Manager eines deutschen Rüstungskonzerns wird während einer Geschäftsreise in Algier entführt. Die algerischen Behörden versichern, es handle sich um die Tat islamistischer Terroristen. Aber Rolf Eley, BKA-Verbindungsbeamter an der deutschen Botschaft in Algier, ist skeptisch und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Zeitgleich versucht in Deutschland Katharina Prinz, neue Abteilungsleiterin im Auswärtigen Amt, eine umstrittene Waffenlieferung nach Algerien aufzuhalten. Ein gut vernetzter und skrupelloser Waffenlobbyist tut alles, um sie einzuschüchtern. Und ein junger Algerier, dessen Vater während des „schwarzen Jahrzehnts“ in einem algerischen Foltergefängnis verschollen ist, macht sich auf den Weg nach Europa. Wie im Krimi üblich, führen all diese Handlungsstränge schließlich zusammen und münden in einem spannenden Finale.

Sogenannte Politkrimis präsentieren ja leider oft sehr einfache Schwarz-Weiß-Beurteilungen und -Lösungen für komplexe Probleme. (Hallo, Wolfgang Schorlau…!) Oliver Bottini hingegen zeichnet ein differenziertes Bild von Algerien. Er thematisiert die Folgen des französischen Kolonialismus, entlässt aber die algerischen Eliten nicht aus der Verantwortung. Das Ausmaß an Erpressung, das der Waffenlobbyist für eine einzige Liefergenehmigung aufwendet, scheint mir zwar etwas übertrieben – nicht, weil ich Waffenlobbyisten keine kriminelle Energie zutrauen würde, sondern weil Waffenlieferungen politisch längst nicht so umstritten sind, wie der Autor offensichtlich annimmt. Auch dass sich die deutsche Boulevardpresse für das Privatleben schöner deutscher Diplomatinnen interessiert, kommt mir nicht sehr plausibel vor. Dafür hat Oliver Bottini die Bezeichnungen diverser Abteilungen im Auswärtigen Amt und sogar die Namen einzelner Sitzungssäle genau recherchiert, und auch mit der jüngeren Geschichte Algeriens kennt er sich sehr gut aus. Sein Krimi wirft die Frage auf, wie viel Gewalt eine Befreiungsbewegung verüben darf, und was nach einer erfolgreichen Revolution kommt.

„Ein paar Tage Licht“ ist somit gut geeignet für alle, die sich für Algerien und seine Bürgerkriegsgeschichte interessieren. Aber auch wer einfach nur einen spannenden Krimi lesen will, trifft mit diesem Buch eine gute Wahl, denn es enthält einige überraschende Wendungen. Alles in allem ist „Ein paar Tage Licht“ ein solider Krimi vor einer ungewöhnlichen Kulisse.

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