Hilda Bernstein: The World That Was Ours

(dt.: Die Männer von Rivonia)
Erscheinungsjahr: 1967
Land: Südafrika

In „The World That Was Ours“ beschreibt die britisch-südafrikanische Autorin, Politikerin und Menschenrechtsaktivistin Hilda Bernstein ihre Erlebnisse als Kämpferin gegen die Apartheid seit Mitte der 1950er Jahre bis zu ihrer Flucht aus Südafrika. Der Schwerpunkt liegt auf den Ereignissen rund um den Rivonia-Prozess von 1964, bei dem ihr Ehemann, Lionel Bernstein, zusammen mit Nelson Mandela und neun anderen Apartheidsgegnern wegen angeblicher Umsturzpläne angeklagt wurde.

Die Stärke von Hilda Bernsteins Buch ist, dass sie anhand von Anekdoten anschaulich macht, wie sich die Politik der Apartheid auf das Alltagsleben ihrer Familie auswirkte. Eine besonders eindrückliche Episode beschreibt eine Hausdurchsuchung bei der Familie Bernstein Ende der 1950er Jahre. Zu diesem Zeitpunkt verbot die Regierung in rascher Folge immer mehr Bücher und Zeitschriften, und die Bernsteins waren in steter Sorge, dass sie in ihrer großen Büchersammlung ein frisch verbotenes Werk übersehen und nicht rechtzeitig vor der nächsten Hausdurchsuchung vernichten könnten. Bei der besagten Hausdurchsuchung erhielt einer der beteiligten Polizisten von seinem Chef den Auftrag, „russische Bücher“ herauszusuchen. Gemeint war damit sowjetische Propaganda, aber der Polizist war weder besonders belesen noch politisch gebildet – weshalb er aus den Bücherregalen der Familie eine Dostojewski–Gesamtausgabe und ein Buch mit russischen Kindermärchen konfiszierte. Die Bücher bekam die Familie nie zurück, und diese Geschichte ist nur eine von vielen, die die Lächerlichkeit und gleichzeitig die Willkür des Regimes zeigen.

Hilda Bernstein vergisst dabei keinen Moment, dass ihr Mann und sie als Weiße immer noch weitaus sicherer und unbehelligter leben konnten als ihre schwarzen Mitstreiter und setzt ihre persönlichen Erfahrungen immer wieder in den Kontext der allgemeinen Apartheidspolitik. Sie beschreibt, wie die Einschränkungen und Schikanen gegen Oppositionelle immer mehr werden, bis sie und ihr Mann sich nach dem vorläufigen Freispruch ihres Mannes im Rivonia-Prozess schweren Herzens zur Flucht entschließen. Mit der Beschreibung der nervenaufreibenden und gefährlichen Flucht und einem kurzen Nachwort zum schwierigen Leben im Exil endet das Buch.

„The World That Was Ours“ gibt einen spannenden Einblick in den Alltag im Südafrika der Apartheid, gerade auch für Leser, die wenig Vorkenntnisse zu diesem Thema haben.

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