Julie Maroh: Blau ist eine warme Farbe

(Originaltitel: Le bleu est une couleur chaude)
Erscheinungsjahr: 2010
Land: Frankreich

„Blau ist eine warme Farbe“ ist eine Graphic Novel, also ein Roman in Comicform. Julie Maroh erzählt darin die Liebesgeschichte zweier junger Französinnen in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren. In der Rahmenhandlung erhält Emma nach dem frühen Tod ihrer Lebensgefährtin Clémentine deren Tagebücher. Der Großteil der Geschichte sind diese Tagebucheinträge, in denen Clémentine als Jugendliche ihr Coming Out und ihre Beziehung mit Emma beschreibt. Dass sie sich in Emma verliebt, ist anfangs für Clémentine ein Schock, zumal ein Großteil ihres Umfelds extrem ablehnend reagiert. Zwar hat sie auch Freunde, die sie unterstützen, und ist glücklich in der Beziehung mit Emma. Aber letztlich kommt Clémentine vor allem über die Entfremdung von ihren Eltern nicht hinweg, und die Geschichte nimmt ein tragisches Ende.

Die Zeichnungen der Rahmenhandlung sind bunt, wenn auch in einer gedämpften Farbpalette. Die Teile des Comics, die Clémentines Tagebucheinträge darstellen, sind hingegen schwarz-weiß mit blauen Farbtupfern gehalten – blau wie Emmas Haare, als Clémentine ihr zum ersten Mal begegnet und sich Hals über Kopf in sie verliebt. Dieser Effekt hat mir gut gefallen. Er zeigt auf subtile Weise Clémentines Depression, aber auch wie ihre Liebe zu Emma buchstäblich Farbe in ihr Leben bringt.

Während Emma sich politisch in der LGBT-Bewegung engagiert, möchte Clémentine einfach nur ihr privates Leben führen, ohne angefeindet zu werden. Der Comic wertet dies nicht. Aber er macht deutlich, dass ein unauffälliges und „unpolitisches“ Leben für Clémentine letztlich nicht möglich ist, solange die Gesellschaft ihre Beziehung als Politikum betrachtet. Ich habe während des Lesens ein paar Mal gedacht, „Wie gut, dass sich die Gesellschaft seit den 90ern verändert hat“. Gleichzeitig bin ich nicht ganz sicher, ob das überhaupt stimmt. Auf jeden Fall ist „Blau ist eine warme Farbe“ eine nachdenklich machende Geschichte aus einer Perspektive, die sowohl in Graphic Novels, als auch im Genre der Liebesromane ziemlich unterrepräsentiert ist.

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