Sherman Alexie: Reservation Blues

(dt. Titel: Reservation Blues)
Erscheinungsjahr: 1997
Land: USA

„Reservation Blues“ ist die Geschichte mehrerer junger Indianer*, die eine Band gründen, um dem trostlosen Alltag und der Armut in ihrem Reservat zu entkommen. Sherman Alexie mischt in ihr schonungslose Beschreibungen der Diskriminierung der indianischen Ureinwohner in der heutigen amerikanischen Gesellschaft mit magischen Elementen.

Zu Beginn der Handlung taucht der legendäre Bluesmusiker aus den 1930er Jahren, Robert Johnson, im Spokane-Indianerreservat bei der dortigen weisen Frau Big Mom unter, um sich so aus einem Pakt mit dem Teufel zu stehlen. (Wer den Film „Crossroads“ gesehen hat, dem kommt der Teufelspakt – der Verkauf der Seele, um den Blues spielen zu können – bekannt vor.) Johnsons Gitarre sucht sich unter den jungen Spokane-Indianern einen neuen Herrn und wird so der Auslöser für die Bandgründung. Die Hindernisse, vor denen die Band steht, sind dabei exemplarisch für die generellen Probleme junger Indianer: Die Bandmitglieder kämpfen zum einen mit der Ablehnung der anderen Indianer, die die Träume der Band vom großen Durchbruch als Verrat an der indianischen Kultur und der Gemeinde im Reservat betrachten. Zum anderen werden sie mit den Vorurteilen der weißen Gesellschaft konfrontiert: Die meisten Weißen halten alle Indianer für gefährlich und werfen ihnen vor, sich nicht integrieren zu wollen. Die anderen, vor allem Frauen, romantisieren die Indianer als edle Krieger und sind dann beleidigt mit ihnen, weil der Alltag im Reservat eher trist als romantisch ist. Und schließlich scheitert die Band auch an den eigenen Selbstzweifeln, die sich aus Jahrhunderten der Unterdrückung und ganz konkreten Benachteiligungen in der Gegenwart speisen.

„Reservation Blues“ ist empfehlenswert für Freunde des magischen Realismus, für Blues-Fans und alle, die auch Musik-Filme wie „Crossroads“ oder „Die Commitments“ mögen. Insgesamt würde ich als Einstieg in Sherman Alexies Werk aber eher seinen Jugendroman „Das absolut wahre Tagebuch eines Teilzeit-Indianers“ empfehlen. Auch im „Teilzeit-Indianer“ thematisiert Alexie die Probleme des Reservatslebens wie Alkoholismus und Hoffnungslosigkeit und die Ausgrenzung der Indianer durch die Mehrheitsgesellschaft. Aber er tut das auf eine Weise, die leichter zugänglich, hoffnungsvoller und sehr komisch ist.

*Ich verwende im Folgenden den Begriff „Indianer“ trotz der kolonialistischen Konnotationen, weil er im Deutschen am gebräuchlichsten ist und es keine wirklich unbelastete Alternative gibt. Zudem wird er in den deutschen Übersetzungen von Alexies Büchern verwendet.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter #ReadHarder 2015, USA veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s