Ian Fleming: Thunderball

(dt. Titel: Feuerball)
Erscheinungsjahr: 1961
Land: Bahamas, Großbritannien

1961: Der geniale Bösewicht Blofeld und seine kriminelle Geheimorganisation SPECTRE stehlen zwei britische Atomsprengköpfe und erpressen Großbritannien und die USA: „Zahlt uns 100.000.000 Pfund, oder wir zünden die Bomben in zwei Weltmetropolen.“ James Bond und sein Freund Felix Leiter von der CIA haben 72 Stunden, um die Sprengköpfe zu finden, und die einzige, vage Spur führt auf die Bahamas. Es folgen in bester Bond-Manier ein Kasino-Besuch, viel Alkohol, eine schöne Frau, diverse Tauchgänge samt Barrakudas und ein Show-Down unter Wasser.

Die Bahamas, 1961 noch britische Kolonie, werden in „Thunderball“ als ein einziger großer Ferienclub für reiche Rentner und gelangweilte Millionäre beschrieben. (Ein Ferienclub, in dem – wie Leiter und Bond empört feststellen – der Service aufgrund der vielen Pauschaltouristen leider sehr nachgelassen hat. ) Dabei ist es natürlich unfair von mir, „Thunderball“ hier als Buch über die Bahamas zu bezeichnen – wie in jedem Bond-Thriller lernt man fast gar nichts über den Ort der Handlung und sehr viel darüber, wie es wohl gewesen sein muss, ein weißer, heterosexueller, wohlhabender, chauvinistischer Snob zu sein, der glaubt, dass ihm die ganze Welt gehört – oder zumindest das britische Kolonialreich.
Das ist auch der Hauptgrund, warum Ian Flemings „Thunderball“ mein „guilty pleasure“ – Buch für die Read Harder Challenge ist. Wann immer ich einen Bond-Roman lese, finde ich ihn zwar unterhaltsam, habe aber gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, weil die Romane sexistisch und teilweise auch sehr rassistisch sind. „Thunderball“ ist in dieser Beziehung zum Glück eher harmlos. Zwar beinhaltet er einen Exkurs von über einer Seite Länge, in dem erklärt wird, warum Frauen schlechte Autofahrer sind. (Kleiner Hinweis: Es hat damit zu tun, dass sie ihren Gesprächspartnern in die Augen schauen wollen, um deren Gefühle besser zu verstehen. Empathie ist die größte Gefahr im Straßenverkehr.) Außerdem ist die Beschreibung von SPECTRE eine einzige Ansammlung absurder nationaler Stereotype. Aber immerhin ist „Thunderball“ für Flemings Verhältnisse relativ wenig rassistisch – allerdings wohl vor allem deshalb, weil die Bewohner der Bahamas nur als Statisten und Dienstboten auftauchen und deshalb von ihm kaum beschrieben werden.

Bemerkenswert fand ich Flemings Umgang mit dem Thema „Terrorismus mit Atomwaffen“. Fleming zeichnet eine Welt, in der selbst harte Männer wie Bond selbst oder der Kapitän eines amerikanischen Atom-U-Bootes große Angst vor einem Atomschlag haben, dessen Konsequenzen für das Überleben der Menschheit niemand abschätzen könnte. Einerseits ist dieses Thema noch immer aktuell, andererseits scheint mir, dass wir heute diese Furcht leider besser verdrängen als in den 1960er Jahren.

Insgesamt ist „Thunderball“ trotz eines langatmigen Anfangskapitels und einigen Stellen von unfreiwilliger Komik eine unterhaltsame leichte Lektüre für eingefleischte Bond -Fans und alle, die sich fürs Tauchen begeistern. Für alle anderen empfehle ich aber eher „Moonraker“ (hat mit dem gleichnamigen Film keinerlei Gemeinsamkeiten!) oder „Casino Royale“.
Und falls jemand einen Roman kennt, in dem die Bahamas mehr sind als nur eine austauschbare exotische Kulisse, würde ich mich über einen Tipp freuen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter #ReadHarder 2015, Bahamas, Großbritannien veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Ian Fleming: Thunderball

  1. Matthias Dehner schreibt:

    …wieso trotz der unfreiwilligen Komik? Die macht es doch gerade besonders unterhaltsam 🙂

  2. Sonja schreibt:

    Da hast du auch wieder Recht…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s